Wartezimmer zum Glück

Drei ungewohnte Blicke auf Georgien

Bibliografie

ISBN-Nummer
978-3-96311-044-3
Erscheinungsdatum
2. Oktober 2018
Sprache(n)
Format
Hardcover
Abmessungen
244 × 294 mm
Anzahl Seiten
160
Preis
€ 25,00

Einblicke in diesen Wunderschönen Bildband

Beschreibung des Verlages

Dokumentarfotografie: Georgien anders sehen

Tbilissi, die Hauptstadt Georgiens, ist eine schillernde, aufregende Metropole; hier trifft man auf Künstler, Nachtschwärmer, selbstbewusste Frauen … Doch wer sich in die entlegenen Gegenden des Landes vorwagt, findet sich in einer anderen Welt wieder. Drei georgische Fotojournalistinnen haben dies getan. Daro Sulakauri etwa erfuhr zufällig von den sogenannten Kinderbräuten in den Regionen Kachetien und Adscharien und wollte mehr über die Ursprünge dieser Tradition erfahren. In abgelegenen Dörfern traf sie diese jungen Mädchen, die von ihren Eltern verheiratet werden und kurz darauf selbst Kinder bekommen. Natela Grigalashvili porträtierte u. a. Frauen, die in Dörfern in der Nähe der Pan­kisi-Schlucht leben; diese sind vom Rest der Welt förmlich isoliert und müssen für ihre Emanzipation erst noch kämpfen. Und Anka Gujabidze hat das alltägliche Leben im tristen Rustawi und Kazreti fotografisch festgehalten.

So roh und intim, wie Natela Grigalashvili, Anka Gujabidze und Daro Sulakauri die Geschichte ihres Landes dokumentieren, tun es nur sehr wenige Fotografinnen.

Über die Mitwirkenden

Über die Buchreihe

Über den Verlag

Die Meinung eines Experten/ einer Expertin

Pressestimmen

»Sensibel und gleichzeitig provokant dokumentieren ihre Fotos auch brisante Themen und zeigen den Alltag der Menschen zwischen Tradition und Fortschritt in den verschiedensten Regionen und Bevölkerungsgeschichten.« (Jürgen Christen, Buchmarkt, August 2018)

Meine Gedanken zu diesem Wunderschönen Bildband

Zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse, die heute beginnt und auf der Georgien Gastland ist, erscheint erneut (siehe Auf dem Balkon Europas) ein Wunderschöner Bildband über dieses wunderbare Land im Mitteldeutschen Verlag.

Georgien ist ein fotogenes Land. Wer es besucht, kehrt nicht ohne einen Satz atemberaubender Bilder zurück, sei es im Kopf oder in der Kamera. Klöster, die sich an steile Kaukasushänge schmiegen, moderne Architektur am Strand des schwarzen Meeres, runzelige Verkäuferinnen, die auf Märkten Gewürze oder Strickwaren anbieten, oder hippe Clubs, die zwischen traditionellen Badehäusern und Plattenbauten der Sowjetzeit stehen, in denen sich eine junge, kreative Kunstszene trifft. Sie zeigen das Land, das den Besuchern zugänglich ist. Ein Land, das sich in einem aufregenden Spannungsfeld zwischen Europa und Asien, Mythos und Moderne, Tradition und Avantgarde bewegt.

Georgien, heißt es in Reiseblogs, Kunstforen und auf Wirtschaftsmessen, sei »so richtig im Kommen«. Der Tourismus ist in den letzten Jahren sprunghaft gestiegen, die internationale Kunstszene bejubelt eine neue Generation, die so für ihren Entdeckergeist gefeiert wird, wie vielleicht zuletzt das Berlin der frühen neunziger Jahre. Wirtschaftsunternehmen siedeln sich wegen der strategisch günstigen Lage und der billigen, gut ausgebildeten Arbeitskräfte an. Und es entstehen mehr Bilder – von einem Land mit großartigen Landschaften und gastfreundlichen Bewohnern, das seine wechselhafte Geschichte hinter sich lässt und optimistisch und voller Tatendrang in die Zukunft blickt.

Es sind schöne Bilder und sie zeigen nichts Unwahres, aber sie sind durch oder für den Blick von Besuchern entstanden. Allzu oft scheint es, als würden sie manches verdrängen, was der gefälligen Gewichtung der Gegensätze und damit der Möglichkeit im Weg steht, sich einen eigenen Sehnsuchtsort zu schaffen. Die drei Fotografinnen, Daro Sulakauri, Anka Gujabidze und Natela Grigashwili setzen diesem fremden Blick eine georgische Perspektive entgegen. Auch sie zeigen ein Land, das vielleicht nicht unbedingt im Auf-, auf jeden Fall aber im Umbruch ist.

Die Fotografinnen zeigen junge Menschen, Kinder, teilweise in traditioneller Bekleidung, beim Freizeitspaß, teilweise frustriert, Mädchen, die bereits mit 14 Jahren zwangsverheiratet werden, obwohl dies illegal ist. Bilder aus Südossetien und Abchasien, die abtrünnigen Regionen im Norden an der Grenze zu Russland. Andererseits sehen wir Tschetschenen die wegen des Krieges aus ihrer Heimat geflüchtet sind und in bitterer Armut auf eine Möglichkeit zur Rückkehr nach Tschetschenien warten. Bergarbeiter, die das »schwarze Gold«, Mangan, für einen Hungerlohn abbauen, selbst unter den eigenen Häusern, die dann drohen einzustürzen. Das Schicksal behinderter Menschen, die keinen Platz in der Gesellschaft haben. Verlassene Plattenbauten, Transgender, die in der traditionell-religiösen Gesellschaft Georgiens diskriminiert werden. Wir sehen aber auch den Altstadt-Charme mit ihren Clubs und Künstlercafés. Auf den nächsten Seiten sehen wir wiederum die Volksgruppe der Duchborzen, die einst vor dem Zar geflohen sind, die den Prunk der Kirche und Privateigentum ablehnen und die Natur verehren.

Dieser Wunderschöne Bildband zeigt ein wahrhaft vielfältiges Land, in dem uns Vieles fremd erscheint. Das schönste an diesen Bildern sind die vielen Menschen, jung und alt, traditionell oder modern, die meisten mit einer besonderen Ausstrahlung, die von den Fotografinnen authentisch eingefangen wurden. Wirklich sehenswert! Und es passt zum Motto des Gastlandes der diesjährigen Frankfurter Buchmesse: Georgia – made by Characters!

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