Charlotte Salomon · Leben? oder Theater?

Bibliografie

  • ISBN:978-3-8365-3925-8

  • Verlag:TASCHEN Verlag

  • Medienart:Buch

  • Format:Hardcover, in Leinen gebunden, mit zweifarbiger Siebdruckillustration und Banderole

  • Mitwirkende:C. E. Judith Belinfante, Evelyn Benesch

  • Sprache:Deutsch

  • Weitere Sprachversion:Englisch, Niederländisch

  • Anzahl Seiten:600

  • Abmessungen:17,2 x 24 cm

  • Erscheinungsdatum:25. Oktober 2017

  • Preis:€ 30,--

Einblicke in diesen Wunderschönen Bildband:

Beschreibung des Verlages:

Die Künstlerin Charlotte Salomon wurde bei der Ankunft in Auschwitz am 10. Oktober 1943 ermordet. Sie war 26 Jahre alt. Der autobiografische Bilderzyklus Leben? oder Theater?, den sie hinterließ, ein Gesamtkunstwerk aus Bild, Text und Musik, ist eine künstlerische Leistung, die alle Register sprengt: ein multimedialer Geniestreich und ein einzigartiges Dokument, von dem wir die 450 wichtigsten Blätter zeigen.

„Sorg gut dafür, es ist mein ganzes Leben!“ Mit diesen Worten übergab die Künstlerin Charlotte Salomon (1917–1943) einem Freund ihren Bilderzyklus Leben? oder Theater? Einige Monate später wurde sie – im Alter von 26 Jahren – in Auschwitz ermordet.

Das Werk, das Salomon hinterließ, ist im wahrsten Sinne des Wortes ihr pièce de résistance. Dichtung, Musik und Bilder von glühender Intensität vereint die Künstlerin zu einer fiktionalisierten Autobiografie, die alle Facetten ihres Leben umkreist: die Kindheit und Jugend in Berlin, das Kunststudium im Schatten des Dritten Reichs, Charlottes Beziehung zu dem Musik­pädagogen Alfred Wolfsohn, das Exil in Frankreich und vor allem die von Suiziden überschattete Familiengeschichte.

Den destruktiven Kräften tritt sie mit subtiler Ironie entgegen und setzt dabei fantastische Elemente und verspielte Pseudonyme ein. Ihren Zyklus, von dem hier die 450 wichtigsten Gouachen gezeigt werden, kennzeichnen schonungslose Offenheit und bemerkenswerte Beobachtungsgabe. „Etwas ganz Verrückt-Besonderes zu unternehmen“, hatte Charlotte Salomon sich vorgenommen und damit ein unvergleichbares Werk von großer künstlerischer Kraft geschaffen, das alle Register sprengt.

Über die Mitwirkenden:

Judith C. E. Belinfante studierte Moderne Geschichte an der Universität von Amsterdam. Von 1976 bis 1998 leitete sie als Direktorin das Jüdische Historische Museum in Amsterdam. Nach ihrer anschließenden Zeit als Parlamentsabgeordnete war sie von 2003 bis 2008 leitende Kuratorin der Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Amsterdam. Den Vorsitz der Charlotte-Salomon-Stiftung hatte sie von 2002 bis 2017 inne.

Evelyn Benesch ist stellvertretende Direktorin des Bank Austria Kunstforums in Wien. In ihrer langjährigen Tätigkeit als Ausstellungskuratorin hat sie sich mit den verschiedenen Künstlern der klassischen Moderne beschäftigt – von Paul Cézanne bis Henri de Toulouse-Lautrec, von den Futuristen bis zu den Brücke-Malern, mit Pierre Bonnard oder Balthus.

Meine Gedanken zu diesem Wunderschönen Bildband:

Dieser Wunderschöne Bildband führt uns zurück in die düsterste Zeit der Deutschen und Europäischen Geschichte, dem Nationalsozialismus und dem Holocaust. Und in dieser Zeit  geht es um eine Künstlerin, die mit Mitte 20 innerhalb von 18 Monaten mehr als 1.300 Bilder anfertigt. Aber es sind nicht einfach nur wahllose Bilder. Es ist ein Singespiel. Bilder inszeniert wie ein Bühnenstück. Selbst Musiktitel fügt sie hinzu, um bei den Betrachtern die passenden Begleitmelodien heraufzurufen. Das Stück spielt in der Zeit von 1913 bis 1940 in Deutschland, später in Nizza. Der Titel dieses Werkes ist Leben? oder Theater? Die Handlung des Singespiels beginnt vor Charlottes Geburt. Selbstmord der Tante, Hochzeit der Eltern, Kriegsdienst des Vaters. Dann am 16. April 1917 erblickt Charlotte das Licht der Welt als einziges Kind des namhaften Chirurgen Dr. Albert Salomon und seiner Frau Franziska.

Es geht um Charlotte Salomon. Sie war eine mir bisher völlig unbekannte Künstlerin. Jüdischer Abstammung, geboren in Berlin. Ihre Mutter begeht Suizid als sie 9 Jahre alt war. Ein Kindermädchen entdeckte und förderte das zeichnerische Talent des Mädchens. Ab 1927 besuchte sie das Fürstin-Bismarck-Gymnasium, eine Schule für die höheren Töchter Charlottenburgs. Charlotte ist 13, als der Vater die bekannte Sängerin Paula Lindberg heiratet. Sie verließ die Schule 1933, ein Jahr vor dem Abitur, um den antisemitischen Anfeindungen zu entgehen, die dort seit der Machtergreifung der Nationalsozialisten zur Tagesordnung gehörten. Zum Wintersemester 1935/36 wurde sie an der Berliner Kunsthochschule aufgenommen. Trotz der immer weiter zunehmenden Schikanen gegen jüdische Bürger wurde sie im Februar 1936 regulär immatrikuliert. Nachdem ihr bei einem Wettbewerb der Kunsthochschule der erste Platz, der ihr von der Jury zuerkannt werden sollte, wegen ihrer jüdischen Herkunft versagt wurde, verließ sie die Hochschule im Herbst 1937. Nach der Reichspogromnacht wird Albert Salomon 2 Monate im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Dann gelingt es seiner Frau ihn frei zu bekommen. Entkräftet fasst er einen Entschluss: Seine 21-jährige Tochter muss fort – sofort. Am Zug sehen sie sich zum letzten Mal. Im Januar 1939 geht sie nach Südfrankreich, wo die Großeltern bereits seit 1934 im Exil lebten.

Das Werk Leben? oder Theater? entstand von Ende 1940 bis Sommer 1942. Etwa im Frühjahr 1943 übergab sie ihr Werk einem Vertrauten mit den Worten "Sorg gut dafür. Es ist mein ganzes Leben". Im September 1943 marschierten die Nazi-Truppen in Südfrankreich ein. Wenige Tage später wurde Charlotte Salomon, im 5. Monat schwanger, zusammen mit ihrem Mann nach Auschwitz gebracht und am Tag Ihrer Ankunft dort ermordet.

Charlotte Salomon – eine junge Frau, die um ihr Leben malt und schreibt. Mich hat ihre Geschichte sehr beeindruckt. Vor allem, dass Sie trotz Neigung zur Depression, trotz ihres Wissens, dass es unter den Frauen in ihrer Familie (Mutter, Großmutter, Tante) zahlreiche Suizide gab, sie einen anderen Weg gewählt hat - das Leben. Ich habe mich gefragt, was wäre aus dieser Frau geworden, wenn sie Krieg und Holocaust überlebt hätte? Wäre sie eine erfolgreiche, respektierte, beliebte Künstlerin geworden? Oder war diese Mammutleistung, in nur 18 Monaten ein solches Werk auf die Beine zu stellen, nur in dem Bewusstsein möglich gewesen, nur noch wenig Zeit zu haben? Zum Glück ist der größte Teil ihres Werkes erhalten geblieben und man erinnert sich an sie. Es gibt sogar Aufführungen dieses Stückes, z.B. als Tanztheater, wie ich inzwischen herausgefunden habe.

Diesen Wunderschönen Bildband möchte ich Ihnen nicht nur empfehlen, sondern wärmstens ans Herz legen. Aber nehmen Sie sich Zeit, es sind fast 600 Seiten und etwa 450 Bilder aus Charlotte Salomons Werk!

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